Auf den Spuren des Nationalsozialismus in Landshut

Senioren

Die AG SPD 60 plus hatte zu einem Stadtspaziergang mit Dr. Mario Tamme von Stadtarchiv geladen. Vorsitzender Gerhard Wick konnte vor dem Rathaus ein erfreulich große Anzahl an interessierten  Bürgerinnen und Bürgern begrüßen.

 

 

Vor dem Rathaus erläuterte Dr. Tamme, dass die Gündung der NSDAP 1921 in Landshut auf fruchtbaren Boden fiel, hier wurde der 5. Ortsverein in Bayern gegründet. Maßgeblich daran beteiligt war der Landshuter Apotheker Gregor Strasser (geb. 1892), der seit 1919 in der Völkischen Bewegung aktiv war und von Landshut aus die "brauen Aktivitäten" in Bayern steuerte. Mit der NSDAP Mitgliedsnummer 9, saß er seit 1924 im Bayer. Landtag im Völkischen Block und bald darauf im Reichstag. Mit Heinrich Himmler (geb. 1900), der als 13jähriger nach Landshut kam war ein weiterer bekannter Hitleranhänger (seit 1929 Führer der SS) hier tätig. Die Mitgliederzahlen der NSDAP stiegen rasch an.

Beim Hitlerputsch am 8./9. November 1923 in München, an dem auch viele Landshuter teilnahmen, wurde der Versuch unternommen in  Bayern die Macht an sich zu reißen und die Regierung von Gustav Stresemann im Berliner Reichstag zu stürzen, was aber mißlang. Landshut habe daher auch eine große Anzahl von Blutordensträgern zu verzeichnen.


Das politische Klima in der Stadt verschlechterte sich zunehmend, die Nationalsozialisten erhielten immer mehr die Oberhand, abweichende Meinungen wurden nicht zugelassen, Drohungen ausgesprochen. Adolf Hitler, der 1921 zum ersten Parteivorsitzenden der NSDAP ernannt worden war, wurde im Januar 1933 von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. In wenigen Monaten schaffte er durch drastische Maßnahmen die pluralistische Demokratie und den Rechtsstaat ab.

Anfang 1933 kam es auch in Landshut dann zu Verhaftungen von Sozialdemokraten und Kommunisten, sie wurden in Schutzhaft genommen. Im April 1933 wurde der Stadtrat entsprechend der Nationalratswahlen neu besetzt. Der  parteilose Oberbürgermeister Herterich wurde aus seinem Amt entfernt und vom NSDAP Mitglied Vielweib ersetzt. Die Stadträte der SPD wurden im Juni, die der Bayerischen Volkspartei im August 1933 aus dem Rathaus rausgeschmissen und von NSDAPler ersetzt. Unliebsame Organisationen wie Gewerkschaften, Arbeiterwohlfahrt und Christliche Vereine wurden verboten. Andere Vereine wurden übernommen und gleichgeschaltet. Die Gesellschaft wurde gleichgeschaltet.

Der Stadtspaziergang führte weiter zur Theaterstraße, zu den Stolpersteinen für die Familie Hirsch. Dr Tamme führte aus, dass es zu der damaligen Zeit in Landshut 48 Juden in Jüdische Familien in Landshut gab. Sie waren in der Stadtgesellschaft integriert und angesehen und es gab  keinerlei Animositäten. Erst durch Hitler und seine Anhänger wurde der Haß gegen Juden geschürt. Anfang der 30er Jahre haben einige jüdische Familien ihre Kinder ins Ausland geschickt oder sind auch selbst gegangen. Diejenigen die in Landshut blieben, haben wohl nicht mit dem Schlimmsten gerechnet. In der Pogromnachst vom 9. November 1938 wurden auch die jüdischen Geschäfte in Landshut zerstört, die Schaufenster eingeschlagen. Die verbliebenen Juden wurden abgeholt und in Konzentrationslager gebracht. Dr. Tamme wies darauf hin, dass die Stopersteine auf das Schicksal der Juden aufmerksam machen und Mahnung für die Zukunft sein sollen.

Zum Schluß führte Dr. Tamme zum ehemaligen Gefängnis, denn dies war zur Nazizeit stets gut gefüllt. Gefüllt mit Menschen, die eigentlich nichts böses getan haben, wie z. B. die Zeugen Jehovas, die nur nach ihrem Glauben leben wollten. Oder bekannte Mitglieder von verbotenen Organisationen die denunziert wurden. Oder auch junge Frauen, die mit Zwangsarbeitern ein Techtelmechtel hatten, wurde kurzerhand eingesperrt. Dr. Tamme belegte seine Ausführungen auch immer wieder mit alten Fotos, die er weiterreichte.

Abschließend bedankte sich Gerhard Wick bei Dr. Tamme für seine ausgezeichneten Ausführungen. Er habe sehr deutlich gezeigt dass Hass und Gewalt keine guten Ratgeben sein können, sondern nur ins Unglück führen kann. Wir müssen daher sehr wachsam sein, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Nur wenn Frieden herrscht, kann das Volk auch in Wohlstand und Frieden zusammen leben.

 


Bericht: Ute Kubatschka

 

 

 
 

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